Geschichte des Wasserschlosses Haus Stapel

 

1211 wird zum ersten Male ein Herr von Stave urkundlich erwähnt. Stave bedeutet im Mittelhochdeutschen Stau. Die Herren von Stapel waren also die Herren vom Stau. In der Tat gab es seit dem frühen Mittelalter umfangreiche Stauanlagen, in denen das Wasser der Poppenbecker Aa (Quellbach der münsterschen Aa) gestaut wurde.

 

 

 

Diese Staus dienten damals zur Betreibung einer umfangreichen Fischereianlage. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit wurden die zahlreichen damaligen Abstinenztage, also Tage, an denen laut Kirchengebot kein Fleisch verzehrt werden durfte, streng eingehalten, sodass alternativ zum Fleischgenuß viel Fisch aus Teichwirtschaften verzehrt wurde.

 

 

 

Ein Stau an der Poppenbecker Aa diente auch zum Betrieb der uralten, nur wenige hundert Meter vom Schloß entfernten denkmalgeschützten Stapeler Mühle. Die tiefen und breiten Gräben im Schlosspark sind Reste der ehemaligen Fischereianlage. Das erste Bauwerk in Stapel war eine sogenannte Motte, ein hölzerner Wohnturm, der auf der Spitze eines Hügels stand. Dieser Hügel entstand dadurch, dass man einen breiten und tiefen Wassergraben in runder oder ovaler Form grub.

 

 

 

Die hierbei anfallende Erde häufte man im Innern der umgebenden Wasserfläche zu einem Hügel auf. Die auf dem Hügel errichtete Motte diente zu Wohnzwecken und konnte im frühen Mittelalter gut verteidigt werden. Sie wurde im Laufe der Jahrhunderte durch feste Häuser aus Stein ersetzt. Für die letzten festen Häuser wurde dort, wo sich heute Graben und Schloß befinden, ein neuer Wassergraben angelegt.

 

 

 

Die Motte und die ersten festen Häuser befanden sich möglicherweise am Anfang des Parks, links vom Hauptweg. Die Flankierungstürme der Vorburg und alle übrigen Vorgebäude außer dem Torturm entstanden 1607-1608, wurden aber im Laufe der Zeit den Erfordernissen der Landwirtschaft entsprechend umgebaut.

 

 

 

Der Torturm wurde 1719 möglicherweise nach den Plänen von Maximilian von Welsch (1671 bis1745) erbaut. Er war Lehrer des berühmten Münsteraner Baumeisters Johann Conrad Schlaun. Zur Diskussion stehen aber auch Baumeister der Familie Lipper oder Pictorius. Das Haupthaus entstand nach Plänen, die ursprünglich für den Fürsten Bentheim im Burgsteinfurt entworfen worden waren und von dem Baumeister August Reinking aus Rheine stammten. Er starb kurz nach der Grundsteinlegung im Jahr 1819, daher ist Stapel sein letztes Bauwerk. Die Schloßbauten waren im Jahr 1828 vollendet.

 

 

 

Das Schloßgut „Haus Stapel“ gehörte stets landadeligen Familien. Es wurde in seiner gesamten Geschichte niemals verkauft, sondern gelangte nur über die weibliche Erbfolge manchmal in andere Familien. Schon in der ersten Urkunde, die sich im Stapeler
Archiv befindet, ist die Familie Kerckerinck als Besitzer aufgeführt, Eigentümer war damals das Kloster Werden. Die Familie, die sich später „von Kerckerinck zu Stapel“ nannte, war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in den erblichen Reichsfreiherrenstand erhoben worden.

 

 

 

Rund 100 Jahre später starb diese Familie im Mannesstamm aus. Die Erbtochter Maria Theresia von Kerckerinck zu Stapel heiratete im Jahre 1801 im Alter von 15 Jahren Ernst Constantin Freiherr von Droste zu Hülshoff, einen Onkel der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Aus dieser Ehe gingen 22 (!) Kinder hervor, von denen aber nur etwa die Hälfte das Erwachsenenalter erreichte und keines Nachkommen hatte, da auch nur eines der Kinder heiratete.

 

 

 

Für diese sehr große Familie wurde das heutige Schloß erbaut. Als das letzte dieser Kinder des Schloßerbauers verstarb, wurde entsprechend dem Testament ein nachgeborener Sohn von Haus Hülshoff, Klemens Freiherr Droste zu Hülshoff, der Erbe. Er war ein Neffe von Annette und Urgroßvater der heutigen Besitzerin.

 

 

 

Er bestimmte seinen Sohn Fritz zum Erben, der zu Beginn des ersten Weltkrieges schwer verwundet wurde, nicht heiratete und die älteste Tochter seines Bruders Clemens, Ermengard, adoptierte. Diese heiratete 1956 den aus dem Rheinland stammenden Hermann Josef Freiherr Raitz von Frentz. Seitdem ist Stapel im Besitz der Familie Raitz von Frentz.